Beschluss verschlechtert Versorgung chronisch Kranker

DBR kritisiert Entscheidung des Bundesausschusses zu Lasten der Patienten
(16. März 2004) "Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossene Liste der nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente ist aus Sicht der chronisch kranken Patienten eine Enttäuschung", erklärte Walter Hirrlinger, Vorsitzender des Sprecherrates des Deutschen Behindertenrates (DBR), in Berlin.

Viele nicht-verschreibungspflichtige Medikamente, die für die Behandlung schwerwiegender Erkrankungen notwendig sind, sollen laut Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, in dem die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Bundesverbände der Krankenkassen, die Bundesknappschaft und die Verbände der Ersatzkassen vertreten sind, künftig nicht mehr von der Kasse übernommen werden.

"Viele chronisch kranke Menschen mit niedrigen Einkommen wissen nicht mehr, wie sie die nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente bezahlen sollen. Die Entscheidung wiegt besonders schwer, weil die Ausgaben für nicht-verschreibungspflichtige Arzneien nicht zu den Zuzahlungen gehören. Viele werden daher gezwungen, auf notwendige Leistungen zu verzichten", warnte Hirrlinger.

Die Patientenvertreter im Bundesausschuss hatten gefordert, dem Arzt zumindest für eine Übergangszeit die Möglichkeit zu geben, im Einzelfall bei schwerwiegenden Erkrankungen bestimmte notwendige Medikamente, die zur Standard-Therapie gehören, weiter zu verordnen. Dies lehnte der Gemeinsame Bundesausschuss jedoch ab. "Hier wird auf Kosten der Betroffenen gespart. Die Mitglieder des Bundesausschusses haben diesen Konflikt zu Lasten der Patienten gelöst", so der DBR-Vorsitzende. Er forderte den Bundesausschuss auf, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Verantwortlich: Tanja Schäfer
© 2004 - 2017 Deutscher Behindertenrat