Chronikern droht eine schlechtere Versorgung

DBR fordert Überarbeitung des Entwurfs der Heilmittelrichtlinie
9. Februar 2004 "Wenn der Entwurf einer Heilmittelrichtlinie im April wie vorgesehen in Kraft tritt, wird sich die Versorgung von chronisch kranken und behinderten Menschen weiter verschlechtern", erklärte Walter Hirrlinger, Vorsitzender des Sprecherrates des Deutschen Behindertenrates (DBR). In Zukunft soll es keine Langfristverordnungen von Heilmitteln mehr geben. Dies hat zur Folge, dass im Regelfall die Therapie immer wieder für zwölf Wochen unterbrochen werden muss. Viele chronisch kranke und behinderte Menschen benötigen aber ständig begleitende Heilmittelversorgung.

"Zwangsunterbrechungen in der Physiotherapie würden zu einer deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes vieler Betroffener führen. Dies ist unverantwortlich", sagte Hirrlinger. "Neues Ungemach droht den Patienten durch die Neufassung der Arzneimittel-Richtlinien, die ebenfalls im April in Kraft treten sollen und gegenwärtig vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beraten werden. In den Arzneimittel-Richtlinien wird geregelt, welche nicht-verschreibungspflichtige Medikamente bei schwerwiegenden Erkrankungen noch von der Krankenkasse übernommen werden. Bei zahlreichen chronischen Erkrankungen gehören nicht-verschreibungspflichtige Medikamente zur Standard-Therapie und sind unverzichtbar. "Wenn dem Arzt nicht die Möglichkeit eingeräumt wird, in solchen Fällen diese Medikamente weiter zu verordnen, wird es zu untragbaren finanziellen Belastungen der Betroffenen kommen."

Hirrlinger forderte die Gesundheitsministerin auf, diese bedrohlichen Entwicklungen zu korrigieren. Sonst werde es zu einer neuen Welle der Empörung im April kommen.

Verantwortlich: Sabine Kohls
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